Ein Bausparvertrag ist eine Kombination aus Sparplan und Darlehensoption. Du baust erst Guthaben auf und sicherst dir gleichzeitig das Recht auf ein späteres, fest verzinstes Darlehen.
Richtig eingesetzt kann das ein sinnvoller Baustein für deine Finanzplanung sein – sowohl für große Vorhaben wie eine Immobilienfinanzierung als auch für kleinere Projekte wie Küche, Bad oder Renovierung.
Wichtig ist, dass die Bausparsumme zu deinem Ziel und zu deiner Sparrate passt. Gerade hier passieren in der Praxis viele Fehler.
Im Bausparvertrag vereinbarst du mit der Bausparkasse eine Bausparsumme, zum Beispiel 10.000 €, 20.000 €, 50.000 €, 100.000 € oder mehr. Diese Bausparsumme setzt sich zusammen aus:
deinem später angesparten Guthaben und
dem möglichen Bauspardarlehen.
Bausparverträge sind in der Regel wohnwirtschaftlich gebunden. Typische Verwendungen sind:
Kauf einer Immobilie
Bau eines Hauses
Modernisierung oder Renovierung (z. B. Bad, Fenster, Heizung)
kleinere Maßnahmen wie eine neue Küche, Bodenbeläge, Malerarbeiten
Umschuldung oder Entschuldung bestehender Immobilienfinanzierungen (tarifabhängig)
Ob du deinen Vertrag zwingend wohnwirtschaftlich einsetzen musst oder auch frei über das Guthaben verfügen kannst, hängt vom Tarif ab.
Nicht jeder Bausparvertrag muss gleich die komplette Immobilienfinanzierung abdecken. Sehr sinnvoll können auch kleine Bausparsummen sein, zum Beispiel:
10.000–20.000 € als Zielgröße
Besparung hauptsächlich über vermögenswirksame Leistungen (VL) vom Arbeitgeber
geringere eigene Zusatzbeiträge
Typische Einsatzzwecke solcher „kleinen“ Bausparverträge:
Austausch einer Küche
Renovierung eines Badezimmers
kleinere energetische Maßnahmen
allgemeine Renovierungen (Boden, Türen, Malerarbeiten)
Gerade mit VL lässt sich so ein kleiner Bausparvertrag häufig sauber darstellen: Du nutzt die Förderung, sicherst dir ein kleines Darlehen für spätere Maßnahmen und bleibst von der Summe her in einem Rahmen, der zu deinen regelmäßigen Einzahlungen passt.
In der Praxis erlebe ich leider oft, dass für VL oder kleine Sparbeiträge viel zu hohe Bausparsummen verkauft werden, nur um eine höhere Abschlussgebühr zu generieren. Das führt dann zu völlig unrealistischen Zuteilungszeiträumen und bringt dir als Mandant wenig.
In der Ansparphase baust du dein Guthaben auf:
Du zahlst regelmäßig ein, häufig in Höhe von etwa 3–5 ‰ der Bausparsumme pro Monat.
Beispiel:
20.000 € Bausparsumme → typischer Regelsparbeitrag ca. 60–100 € monatlich
100.000 € Bausparsumme → typischer Regelsparbeitrag ca. 300–500 € monatlich
Dein Guthaben wird mit einem festen Guthabenzins verzinst, der meist relativ niedrig ist.
Ziel ist nicht in erster Linie Rendite, sondern der Aufbau von Guthaben und der Erwerb des Darlehensanspruchs.
Wenn die tatsächliche Sparrate dauerhaft deutlich unter dem empfohlenen Regelsparbeitrag liegt, kann sich die Zuteilung erheblich nach hinten verschieben – besonders kritisch bei hohen Bausparsummen.
Die Zuteilung ist der Zeitpunkt, ab dem du die Bausparsumme nutzen kannst. Dafür müssen üblicherweise drei Bedingungen erfüllt sein:
Mindestsparguthaben erreicht (häufig 30–50 % der Bausparsumme)
Mindestsparzeit erfüllt (tarifabhängig, z. B. einige Jahre)
ausreichende Bewertungszahl erreicht
Erst bei Zuteilungsreife kannst du entscheiden:
Du nimmst das Bauspardarlehen in Anspruch.
Du verwendest nur dein Guthaben.
Du verschiebst die Zuteilung und sparst weiter.
Entscheidest du dich für das Bauspardarlehen:
Du erhältst die Differenz zwischen Bausparsumme und Guthaben als Darlehen.
Der Darlehenszinssatz steht bereits seit Vertragsabschluss fest.
Du zahlst das Darlehen mit festen Monatsraten zurück. Die Tilgung ist häufig relativ hoch, damit das Darlehen in überschaubarer Zeit zurückgeführt wird.
Gerade bei kleinen Bausparsummen (z. B. 10.000–20.000 €) können die Bausparraten für das Darlehen überschaubar bleiben und sich gut in den Haushalt einfügen – wenn die Laufzeit vernünftig gewählt ist. Bei größeren Summen ist eine genaue Haushaltsrechnung besonders wichtig.
Bausparsumme: 15.000 €
Vermögenswirksame Leistungen vom Arbeitgeber: 40 € monatlich
Eigener Zusatzbeitrag: 20 € monatlich
Du besparst den Vertrag also mit insgesamt 60 € pro Monat.
Nach einigen Jahren hast du ein überschaubares, aber nutzbares Guthaben aufgebaut und kannst bei Zuteilung:
dein Guthaben einsetzen und
ein kleines Bauspardarlehen für eine Küche, ein kleines Bad oder ähnliche Maßnahmen aufnehmen.
Hier ist entscheidend, dass die Bausparsumme zur Summe der Einzahlungen passt. Dann kann ein solcher Vertrag ein sehr brauchbarer Baustein sein.
Bausparsumme: 100.000 €
Monatliche Sparrate: 300 €
Nach einigen Jahren hast du – je nach Tarif, Zinssatz und Sonderzahlungen – etwa 40.000–50.000 € Guthaben.
Ist der Vertrag zugeteilt, kannst du:
dein Guthaben nutzen und
ein Bauspardarlehen über die restliche Summe in Anspruch nehmen, zum Zinssatz, der zum Vertragsbeginn vereinbart wurde.
Ob das im Zeitpunkt der Zuteilung wirklich die beste Lösung ist, hängt unter anderem von der dann aktuellen Zinslage, deinen Einkommensverhältnissen und alternativen Finanzierungsmöglichkeiten ab. Das schaue ich mir im Einzelfall mit dir konkret an.
Die Bewertungszahl ist eine Kennziffer, mit der die Bausparkasse festlegt, in welcher Reihenfolge Verträge zugeteilt werden. Alle Kunden zahlen in einen „Bauspartopf“ ein, aus dem später die Darlehen vergeben werden. Die Bewertungszahl sorgt dafür, dass die Zuteilung nach objektiven Kriterien erfolgt.
Die genaue Berechnung ist je nach Bausparkasse unterschiedlich. In der Praxis spielen aber meist ähnliche Faktoren eine Rolle:
Höhe des Guthabens
Verhältnis Guthaben zur Bausparsumme
Dauer der bisherigen Sparzeit
Regelmäßigkeit der Einzahlungen
tarifabhängige Faktoren (Bewertungsfaktoren, Leistungsfaktoren)
Du musst die Formel nicht im Detail kennen. Wichtig ist das Prinzip: Wer früh beginnt, regelmäßig spart und ein im Verhältnis zur Bausparsumme angemessenes Guthaben aufbaut, erreicht die Zuteilung in der Regel eher.
Besonders relevant sind:
ein hoher Guthabenstand im Verhältnis zur Bausparsumme
eine längere, durchgehende Sparphase ohne große Pausen
konstante, dem Tarif angemessene Sparraten
Starke Schwankungen oder längere Pausen können die Bewertungszahl und damit den Zuteilungszeitpunkt verschlechtern – bei kleinen wie bei großen Bausparsummen.
Sonderzahlungen können die Zuteilung spürbar beschleunigen:
Dein Guthaben steigt schneller.
Mindestsparguthaben und Bewertungszahl werden früher erreicht.
Du hast die Chance auf eine frühere Zuteilung – sowohl bei kleinen als auch bei großen Verträgen.
Zu beachten ist:
Wer deutlich über das notwendige Mindestsparguthaben hinaus einbezahlt, verringert den späteren Darlehensbedarf.
Gerade bei kleinen Bausparsummen kann es sein, dass du am Ende fast nur dein Guthaben nutzt und das Darlehen kaum oder gar nicht brauchst.
Sonderzahlungen sollten deshalb nie losgelöst, sondern im Rahmen deiner Gesamtplanung betrachtet werden.
Zinssicherheit:
Der Darlehenszins steht beim Abschluss fest. Das gilt für große wie für kleine Darlehen.
Planbare Tilgung:
Durch klare Tilgungssätze ist absehbar, wie lange die Darlehensphase ungefähr dauern wird.
Staatliche Förderung:
Unter bestimmten Voraussetzungen können Wohnungsbauprämie oder Arbeitnehmersparzulage genutzt werden – häufig gerade in Kombination mit vermögenswirksamen Leistungen attraktiv.
Teilweise Darlehen ohne Grundschuldeintrag:
Für kleinere Beträge sind in vielen Tarifen Blankodarlehen möglich. Das passt sehr gut zu kleineren Bausparsummen (z. B. 10.000–30.000 €) und spart oft Notar- und Grundbuchkosten.
Niedrige Guthabenzinsen:
Als reine Geldanlage ist ein Bausparvertrag meist unattraktiv. Der Nutzen liegt im Darlehensanspruch und in der Struktur, nicht in der Rendite.
Gebühren und laufende Kosten:
Abschlussgebühr (oft 1–1,6 % der Bausparsumme) sowie eventuelle Kontoführungsentgelte oder Servicepauschalen belasten den Vertrag – bei sehr hohen Bausparsummen besonders deutlich, bei kleineren überschaubar, wenn die Summe passend gewählt ist.
Unsicherer Zuteilungszeitpunkt:
Der ungefähre Zeitraum kann berechnet, aber nicht auf den Monat genau garantiert werden.
Begrenzte Flexibilität:
Tarifwechsel, Änderung der Bausparsumme oder Vorziehen der Zuteilung sind zwar möglich, aber mit Konsequenzen für Kosten und Konditionen verbunden.
WarnungWichtige Punkte:
Die Förderung ist oft eher eine Steuerstundung. Es wird ein fiktives Wohnförderkonto geführt, das im Rentenalter versteuert werden muss. Das kann zu einer spürbaren zusätzlichen Steuerbelastung führen.
Die Immobilie muss meist dauerhaft selbst genutzt werden. Verkauf, Vermietung oder Umzug können förderschädlich sein und Rückforderungen oder steuerliche Nachteile auslösen.
Die Modelle sind oft bürokratisch und wenig flexibel, wenn sich dein Leben anders entwickelt als geplant.
Deshalb sehe ich Wohn-Riester grundsätzlich kritisch und prüfe solche Konstruktionen im Einzelfall sehr genau. Für manche Konstellationen kann es passen, aber es ist kein Standardprodukt für jeden.
Sehr häufig ist die Kombination aus hoher Bausparsumme und kleiner Rate, zum Beispiel:
Bausparsumme 100.000–150.000 €
Sparrate 40–50 € (oft nur VL, ohne nennenswerten Eigenbeitrag)
Gerade bei VL ist es in der Praxis leider verbreitet, dass die Bausparsumme künstlich groß gewählt wird. Konsequenzen:
Das notwendige Mindestsparguthaben wird nur sehr langsam erreicht.
Der Zuteilungszeitraum rutscht weit in die Zukunft und hat mit dem realen Bedarf (kleine Maßnahmen) oft wenig zu tun.
Die Abschlussgebühr fällt hoch aus, obwohl der Vertrag faktisch nur für kleine Projekte genutzt werden soll.
Sinnvoller ist häufig, für VL und kleine Sparbeiträge eine realistische, kleinere Bausparsumme (z. B. 10.000–20.000 €) zu wählen, die zum tatsächlichen Ziel passt.
Kurze Tilgungszeiten (z. B. 6–8 Jahre) bei hohen Darlehenssummen führen zu sehr hohen Monatsraten.
Das Darlehen ist auf dem Papier günstig, praktisch aber schwer nutzbar.
Bei kleinen Bausparsummen sind hohe Tilgungssätze oft unproblematisch, weil der absolute Betrag überschaubar bleibt. Bei größeren Summen muss die Haushaltsbelastung sehr genau geprüft werden.
Langsame Tarife, obwohl der Finanzierungsbedarf in wenigen Jahren geplant ist.
Schnelle Tarife, obwohl das Vorhaben erst weit in der Zukunft liegt.
Tarife mit teuren Zusatzleistungen, die in deinem Fall keinen wirklichen Mehrwert bieten.
Abschlussgebühren werden verharmlost oder nicht offen beziffert.
Laufende Entgelte fallen erst im Nachhinein auf.
Im Verkaufsgespräch entsteht der Eindruck eines sehr flexiblen Produkts.
Später zeigt sich, dass Änderungen zwar möglich, aber mit finanziellen Nachteilen und Verschiebungen der Zuteilung verbunden sind.
Gerade bei Mandanten, die „nur VL anlegen wollten“ und am Ende mit sehr hohen Bausparsummen dastehen, lohnt sich ein genauer Blick auf die Konstruktion des Vertrags.
Wenn du das Gefühl hast, dass dein Bausparvertrag nicht zu deinen Zielen passt oder möglicherweise fehlerhaft beraten wurde, sind sinnvolle Schritte:
Unterlagen sammeln (Beratungsprotokolle, Produktinformationsblätter, Vertrag, Kontoauszüge, Schriftverkehr)
Gespräch mit der Bausparkasse oder Bank suchen und konkrete Punkte ansprechen
je nach Fall: Ombudsstelle der Bausparkassen oder Verbraucherzentrale einschalten
bei größeren finanziellen Schäden: Prüfung durch einen spezialisierten Rechtsanwalt
Ich kann mit dir zunächst fachlich prüfen, ob dein Vertrag – egal ob klein oder groß – sinnvoll konstruiert ist oder ob es Anzeichen dafür gibt, dass eher die Abschlussgebühr als deine Ziele im Vordergrund stand.
Wenn du wissen möchtest, ob ein bestehender oder geplanter Bausparvertrag wirklich zu deinen Zielen, deiner Sparrate und deinem Vorhaben (von der Küche bis zur Komplettmodernisierung) passt, schauen wir uns das gerne gemeinsam an.