Bei der Beantragung einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist es möglich, die Patientenquittung von der Krankenkasse einzuholen.
Sie kann Antragstellern helfen, ihre Gesundheitshistorie genau zu überprüfen und somit Fehler bei den Gesundheitsangaben zu vermeiden.
Eine Patientenquittung ist eine detaillierte Übersicht über die von Ärzten, Krankenhäusern und anderen Leistungserbringern abgerechneten medizinischen Leistungen. Sie enthält in der Regel folgende Informationen:
Gesetzlich Versicherte haben einen Anspruch darauf, diese Übersicht von ihrer Krankenkasse zu erhalten.
Bei der Beantragung einer Berufsunfähigkeitsversicherung müssen umfangreiche Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß beantwortet werden.
Hier geht es darum, der vorvertraglichen Anzeigepflicht nachzukommen (siehe Artikel dazu).
Die Patientenquittung kann dabei in mehrfacher Hinsicht hilfreich sein:
Vorteile:
Nachteile:
Es besteht keine rechtliche Verpflichtung, vor Antragstellung die Patientenquittung einzusehen. Das Gesetz verlangt lediglich eine "zumutbare Anstrengung des Gedächtnisses". Dennoch kann es in bestimmten Fällen sinnvoll sein:
Es gibt mehrere Gründe, warum es nicht ausreicht, die Patientenquittung einfach beim Versicherer einzureichen:
Stattdessen sollte die Patientenquittung als Hilfsmittel genutzt werden, um die Gesundheitsfragen im Antrag möglichst genau und vollständig zu beantworten. Bei Unklarheiten oder Widersprüchen ist es ratsam, diese vorab mit dem behandelnden Arzt zu klären und gegebenenfalls zusätzliche Erklärungen oder Atteste beizufügen.
Wenn du deine Patientenakte einsiehst, übernimmst du gleichzeitig mehr Verantwortung für deine Angaben. Du musst dann jeden Arztbesuch und jede Diagnose im ICD-10-System genau unter die Lupe nehmen. Es liegt an dir zu prüfen, ob die Diagnosen tatsächlich zutreffend waren und welche genauen Befunde der Arzt festgestellt hat.
Durch deine detaillierten Angaben nimmst du dem Versicherer einen Teil seiner Nachfragepflicht ab. Das kann ein zweischneidiges Schwert sein.
Stell dir vor, du warst wegen Magenproblemen ein paar Mal beim Arzt und fühltest dich nach einer kurzen Behandlung wieder fit. Früher hätte diese grobe Beschreibung vielleicht gereicht. Jetzt wird von dir erwartet, dass du alle verfügbaren Informationen minutiös aufführst.
Passiert dir bei diesen ausführlichen Angaben ein Fehler, könnte das im Ernstfall Probleme bereiten. Denn nach Einsicht in deine Akte wird von dir ein höherer Kenntnisstand erwartet.
So kann sich der gut gemeinte Blick in die Patientenakte unter Umständen als Nachteil erweisen. Es ist wichtig, dass du dir dieser zusätzlichen Verantwortung bewusst bist, bevor du dich für diesen Schritt entscheidest.
Hier gilt wieder: nicht auf eigene Faust versuchen, damit zu arbeiten. Durch unsere professionelle Beratung und Aufarbeitung der Gesundheitshistorie werden gravierende Fehler vermieden.
Die Einsicht in die Patientenquittung vor Beantragung einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist keine Pflicht, kann aber in vielen Fällen sinnvoll sein. Sie erhöht die Sicherheit bei der Antragstellung und kann spätere Probleme im Leistungsfall vermeiden. Allerdings sollte man sich des Aufwands und möglicher Verunsicherungen bewusst sein.